Leseprobe zu The way love goes – Begierde

Lange starren wir uns an und ich hoffe, nein, flehe um eine Regung, die mir zeigt, dass er kapiert, was ich ihm sagen will. Doch alles, was dann von ihm zu hören ist, ist: „Murrayyy i… i… Idiot!“
In diesem Moment frage ich mich, ob es für uns alle nicht besser wäre, wenn er … nicht mehr da ist. Es würde meinem und seinem Leiden ein Ende setzen. Gleichzeitig schmerzt und enttäuscht mich dieser Gedanke so sehr, dass ich die Tränen, die nun über meine Wangen strömen, nicht verhindern kann. „Bei dir ist doch jeder ein Idiot, außer du selbst. Sieh dich doch an, Dad, wie verbittert du bist.“
Er versucht böse zu grinsen, wie er es immer macht, wenn er mich mit einer Gemeinheit loswerden möchte. „Uund du? Du Huuure! Kerl d…da und d…da. Iiich biiin traurig weeegen solch To…hter. Wie Mamaa.“
Seine Beleidigungen verletzen mich zwar, doch ich habe gelernt, damit umzugehen und sie zu ignorieren. Deshalb stehe ich seufzend auf, räume ein paar leere Flaschen weg und sehe den Nachbarskindern, die unten im Hof Ball spielen, eine Weile zu. Die Kinder dieser Wohnungen im Haus, haben eine regelrechte Allianz miteinander gebildet. Ich sehe sie so oft da draußen spielen; bei jedem Wetter. Obwohl ich die wenigsten von ihnen persönlich kenne, da sie entweder auf einer anderen Etage wohnen oder sich unser Alltag eben nicht überschneidet, sind mir ihre Gesichter und ihr Lachen so vertraut, dass sie mir sogar selbst jetzt irgendwie tröstlich erscheinen.
„Schon gut, Dad“, sage ich und eise meinen Blick vom Fenster los. „Ich werde dich in Ruhe lassen.“
Regungslos sitzt er noch immer auf diesem einen Stuhl, der ihm gehört und den man tunlichst nicht besetzen sollte.
„Ich packe meinen Koffer aus und mache uns dann später was zu essen.? Hast du auf irgendetwas Lust?“


Abwartend verharre ich neben ihm, meine Hand liegt gewohnheitsmäßig auf seiner Schulter, die sich starr anfühlt. Doch er ignoriert mich beinhart, was mich dazu bewegt, mich seufzend in mein Zimmer zu begeben und mich meinem Koffer zu widmen. Eine schnelle Angelegenheit, doch die Ruhe und die Vertrautheit dieses einen Zimmers sind wie Balsam für meine Seele. Ich weiß, dass mein Dad mich hier in Ruhe lässt. Er hat diesen Raum seit langer Zeit nicht mehr betreten, was ein schwacher Trost ist, wenn ich mir all seine Fehltritte in Erinnerung rufe.
Es ist wohl so, dass ich dazu verdammt bin, meine Energie an einen Mann, also meinen Dad, zu verschwenden, der sie mit dem Rest, der von seiner übrig ist, abzuwehren versucht. Was bedeutet, dass wir uns ständig im Kreis drehen. Das ist anstrengend und zermürbend. Doch es ist mein Schicksal….

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